Stolpersteine

Stolpersteinverlegung am 20.04.2010 in Bad Segeberg in der Lübecker Straße 12

Gunter Demnig bei der Verlegung der Stolpersteine

In Erinnerung an die Familie Steinhof fanden sich am 20.04.2010 ca. 50 Personen in der Lübecker Straße 12, gegenüber dem Rathaus, ein, um der Verlegung der Stolpersteine zu folgen. Folgender Text zur Familie Steinhof wurde vor Ort verlesen:

Moritz Steinhof wurde am 12.12.1874 in Ungarn geboren und kam um die Jahrhundertwende nach Norddeutschland. Hier lernte er seine spätere Frau Dina Kleve, die am 10.10.1872 in Hamburg geboren wurde, kennen. Die beiden heirateten und ließen sich 1901 in Bad Segeberg nieder, wo sie fünf Kinder bekamen: Selma, Paula, Flora, Cäsar und Frieda.
Moritz betrieb in Segeberg – hier in der Lübecker Straße 12 – sein sogenanntes „Hamburger Partiewarenlager“ einen Kleinhandel für Texttilien, Schuhe und Kurzwaren. Mit dem Fahrrad versorgte er auch die umliegenden Dörfer. In der Stadtgemeinde waren er und seine Familie – laut Aussage des Zeitzeugen Dr. Hagenah – gut integriert. Moritz sprach plattdeutsch. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Soldat teil.
Die Töchter turnten erfolgreich im Männerturnverein Segeberg. Die Kinder gingen hier zur Schule. Frieda z.B bestand 1928 ihre Schlussprüfung an der gerade gegründeten Dahlmannschule. Moritz engagierte sich auch sehr aktiv in der hiesigen jüdischen Gemeinde. So organisierte er als Mitglied des Gemeindevorstandes die Gottesdienste mit und spendete immer wieder großzügige Summen, etwa für die Restaurierung der Thora-Rollen und erstattete Jean Labowski den Lohnausfall am Sabbat.
Mit der Machterlangung Hitlers wendete sich das Blatt für die Familie Steinhof. So wurde nach am 30. Januar 1933 das Geschäft beschädigt. Am 1.4.1933 begann der reichsweite Boykott der jüdischen Geschäfte. Moritz Steinhof entschloss sich daraufhin sein Geschäft aufzugeben und Segeberg schnellstmöglich zu verlassen. In mehreren Anzeigen in der Segeberger Zeitung versuchte er seinen gesamten Hausrat und seine restlichen Waren weit unter Wert – „zu jedem annehmbaren Preise“ – zu verkaufen.
Mit seiner Familie floh er am 1. August 1933 zuerst nach Wien. Mit Ehefrau Dina und Tochter Selma kehrte er anschließend in seine Heimat Ungarn zurück. Von hier aus wurden sie 1942 deportiert und in einem unbekannten KZ ermordet. Tochter Paula gelangte zunächst auf Umwegen nach Essen und wurde wahrscheinlich 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Die drei Jüngsten, Flora, Cäsar und Frieda überlebten die Shoa und lebten später in Israel und Australien.

Stolpersteine in Gedenken an die Familie Steinhof

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